"Die Abenteuer von Tim & Struppi - Das Geheimnis der Einhorn" Filmkritik
Ich gehe nur noch selten ins Kino, in erster Linie weil die gezeigten Filme auf den Leinwänden zu 90% unscharf und wenig detailliert sind und somit nicht mit dem Blu-Ray Heimkino mithalten können.
Wenn mich also ein Film in den Kinosaal lockt, dann sollte er schon etwas besonderes sein - und genau das hatte ich mir von "Tim & Struppi" erhofft. Nicht zuletzt, weil mit Steven Spielberg und Peter Jackson gleich 2 Regisseure involviert sind, die grundsätzlich für eine sehr hohe Qualität stehen. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden...


Stor
Der junge Tim ist Reporter bei einer Belgischen Zeitung und als solcher immer auf der Suche nach interessanten Neuigkeiten. Als er auf einem Trödelmarkt auf ein Schiffsmodell der sagenumwobenen "Einhorn" stösst, ist er hin und weg und ersteht das Prachtstück sofort. Doch nur wenige Augenblicke später wollen ihm zwei Herren kurz hintereinander das Schiff unbedingt abkaufen. Kaum vorstellbar, dass es sich dabei lediglich um begeisterte Sammler handelt. Spätestens aber als seine Wohnung durchwühlt und verwüstet worden ist und Tim ein im Schiff versteckt gehaltenes Pergament findet, weiss er, dass an der ganzen Sache irgendwas faul ist. Skrupellose Geschäftsmänner sind hinter diesem Stück Pergament her, gehen dafür über Leichen und entführen den armen Tim auf ihr Schiff, wo der junge Belgier auch auf einen (uns) alten Bekannten trifft: Captain Archibald Haddock!
Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht und ein halsbrecherisches Abenteuer beginnt, auf der Suche nach dem wahren Geheimnis der "Einhorn".

Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=TuESNiMOFVA


Für den Kenner der Comics wird während des Films schnell klar, dass man sich ein wenig abseits der bekannten und bestehenden Geschichte begibt. So hält man sich nicht haargenau an die Vorlage, sondern nimmt sich einige Freiheiten, wie beispielsweise die Einführung von Haddock, den Tim eigentlich schon vorher kannte. Man muss dem Film jedoch zugute halten, dass die Geschichte auch auf diese Weise durchaus funktioniert und schlüssig wirkt. Es bleiben kaum Fragen offen und Längen treten auch nur selten auf. Trotzdem aber scheitert der Film ein wenig in seinem Vorhaben - doch wieso?

Freigegeben ist Spielbergs neuestes Werk in der Schweiz ab 8 Jahren und geht somit als Kinderfilm durch. Und für die Kleinen gibts dank den schussligen Detektiven Schulze und Schultze sowie Haddocks unfreiwilligen Slapstickeinlagen viel zu lachen - doch die eigentliche Umsetzung der Geschichte schrammt an ihnen vorbei. Denn grundsätzlich wäre diese Verfilmung in erster Linie für die Fans der alten Comics und diese haben im besten Falle ein Mindestalter von 20 Jahren oder mehr und waren darauf angewiesen, die Abenteuer durch ihre Eltern und Grosseltern kennengelernt zu haben. Das grösste Problem dabei: genau diese Fans dürften von diesem Film ein wenig enttäuscht sein.


Fazit
"Das Geheimnis der Einhorn" beginnt vielversprechend und versetzt mit seiner Animationstechnik erst einmal in Staunen, da diese grösstenteils wirklich hervorragend ist. Sobald dieser Zauber allerdings verfliegt, macht sich Ernüchterung breit: weder ist der Film lustig noch spannend genug um wirklich die ganze Zeit über bei Laune zu halten, noch wird der Charme der alten Comic- oder Zeichentrickvorlagen ordentlich eingefangen. Was bleibt, ist ein Abenteuerfilm, der sehr schnell an Spielbergs letzten "Indiana Jones"-Teil erinnert, weil auch diesem einfach das gewisse Etwas gefehlt hat, welches frühere Produktionen des Meisterregisseurs ausgezeichnet hatte. Dass der Film fast nur in 3D gezeigt wird, kann man ebenso wenig als Pluspunkt ansehen - denn lässt man die gesteigerte Tiefenwirkung aussen vor, bleibt nicht mehr viel übrig welches das Aufsetzen der störenden Brille rechtfertigen würde.
Hier wurde eindeutig das vorhandene Potential nichtmal ansatzweise ausgeschöpft. Bleibt nur die Hoffnung, dass Peter Jackson den zweiten Teil mit seiner eigenen Handschrift versieht und somit etwas besser inszeniert.

-> 4/10 Punkte