Donnerstag, 27. Januar 2011
Western Digital HD TV Live
Um in den Genuss von HD-Filmmaterial zu kommen, gibt es mittlerweile so einige Möglichkeiten. Neben der wohl geläufigsten Variante des Blu Ray Players gibt es auch kostengünstigere Lösungen, welche sich rein rechtlich jedoch in einem Graubereich befinden - zumindest in der Schweiz. So ist es möglich, beispielsweise einen Western Digital HD TV Live Player per HDMI an den Fernseher bzw. den AV-Receiver anzuschliessen und diesen dann wiederum mit Filmmaterial zu speisen. Ein kleines aber sehr feines Gerät, welches wärmstes zu empfehlen ist.



Das kleine Wunderwerk verfügt über einen HDMI Anschluss, sowie Buchsen für Component Kabel, falls man über keine Möglichkeit verfügt, HDMI zu nutzen - allerdings können HD-Filme nur mit letzterem wiedergegeben werden. Des weiteren findet sich die Option, eine HiFi-Anlage per optischem Kabel separat anzuschliessen.

Mit in der Verpackung finden sich neben dem Hauptgerät auch eine winzig kleine Fernbedienung mitsamt Batterien, welche gerade so in die Hand passt, aber dennoch sehr gut bedienbar ist und deren Knöpfe einen ordentlichen Druckpunkt bieten. Praktisch dabei ist auch, dass der Sensor nicht immer direkt auf den Player gerichtet werden muss, das erspart unnötige Verrenkungen des Armes.
Ebenfalls mit dabei sind die Componentkabel, ein Stromkabel inkl. UK-Adapter sowie optional anklebbare Gummifüsse, die für einen sicheren Halt des Geräts sorgen.
Auch mit in den Karton gelegt hat man eine DVD mit Benutzerhandbuch und Demomaterial um die Fähigkeiten des Players austesten zu können.

Fazit:
Verfügt man über einen Full HD oder zumindest einen HD-Ready Fernseher mit HDMI Anschluss sowie der Möglichkeit, kostengünstig an BluRay-Material zu kommen; bietet der WD HD TV Live Player eine der kostengünstigeren Varianten des Filmgenusses in High Definition. Kompatibel mit allen derzeit gängigen Videoformaten ist er auch in der Lage, DTS und Dolby Digital Spuren bis 6.1 wiederzugeben sowie MP3s abzuspielen und JPEG-Fotos als Diashow zu präsentieren.
Die Menüführung ist Kinderleicht, an den Optionen muss grundlegend nichts verändert werden und einem kostengünstigen Heimkino steht nichts mehr im Wege.
Letztendlich wird die gezeigte Qualität nur noch von den blauen Originalscheiben übertroffen, deren Preis/Leistungsverhältnis der hier dargebotenen Lösung jedoch kaum den Rang ablaufen kann.



Freitag, 17. Dezember 2010
Caliban European Winter Tour 2010
Im Zürcher Dynamo wurde es am Mittwoch den 15.12. mal wieder richtig schön laut. 5 international mehr oder weniger bekannte Metalbands luden zum fröhlichen Moshen und Bangen. Natürlich konnte ich mir diese Veranstaltung kaum entgehen lassen!

Location
Das Zürcher Dynamo befindet sich rund 10 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt und ist somit sehr bequem per ÖV zu erreichen. Als Alternative bietet sich auch der Bahnhof Zürich Hardbrücke an, sofern man von jenem Punkt aus die besseren Verbindungen hat.
Der "grosse" Saal bietet Platz für rund 500 Nasen und befindet sich im 4. Stock. In erster Linie heisst das für alle Raucher: viel Treppensteigen. Denn fast in der ganzen Schweiz gilt in Lokalen das generelle Rauchverbot. Gut für die Nichtraucher, blöd für die Raucher (wie mich) und besonders blöd natürlich auch deshalb, weil man die "schönen" Gerüche wie Schweiss, Bier und Erbrochenes viel besser riecht. Mmmh, leckere Mischung!
Der Saal selber passt mit seiner Grösse bestens für diese Art von Konzerten und auch die Akkustik ist überdurchschnittlich gut. Als Manko für die Bands ist anzumerken, dass der vorhandene Bühnenplatz relativ begrenzt ist und es schon gerne mal ein wenig eng werden kann - also unpraktisch für Kapellen mit mehr als 4-5 Mitgliedern.
Direkt vor dem Eingang zum Saal befindet sich eine kleine Bar mit 2 Zapfstationen plus grossem Kühlschrank. Bei rund 400 Besuchern dann doch eher unpraktisch, wenn man 10 Minuten in der Schlange stehen muss um sich ein einzelnes Bier abzuholen.
Ein weiterer positiver Aspekt war die Absperrung vor der Bühne. Gut für die Band weil durch das Gemoshe keine Mikrofonständer o.ä. umgeworfen werden können (man spricht aus Erfahrung!), schlecht für manche Fans die gerne auf die Bühne klettern um von dort aus Stagediving zu betreiben. Ausserdem dürfte sie beim einen oder anderen Crowdsurfer für blaue Flecken gesorgt haben, wenn mal wieder einer aus Versehen darauf fiel. Autsch.

Für die Location selber vergebe ich als treppenverachtender Raucher 7/10 Punkten.


Preise
Hand in Hand mit der Location gehen auch meistens die Preise. In erster Linie sei hier gesagt, dass es sich nicht nur um die teure Schweiz, sondern auch noch um Zürich handelte - neben Genf die mit Abstand teuerste Stadt der Schweiz. 5 Bands in einer Location für rund 400 Leute - stolze 46.- CHF! Für meinen Geschmack einiges zu viel, gemessen daran dass ich bei meinen Lieblingsfestivals für einen kleinen Aufpreis 3x oder gar 4x so viele Bands zu sehen kriege und manche davon vom selben internationalen Format sind. Dazu gesellen sich Bierpreise von teuflischen 7.- für 0,5 Liter Gerstensaft. Auch hier bewegen sich die Preise an anderen Orten meist zwischen 5.- und 6.-. Aber eben, typisch Zürich.
Völlig in Ordnung gingen hingegen die Preise für den Merchandise der Bands. Für lockere 25.- CHF konnte man Shirts ersteigern, was im durchschnittlichen Rahmen liegt. Neaera bot sogar Bundles für CD + Poster à 15.- an. Das nenn ich fair!

Im Ganzen betrachtet erhält die zürcher Preispolitik von mir lausige 4/10 Punkten.


Bands
Jetzt geht es ums Eingemachte. Waren die Bands wenigstens gut, wenn man schon so viel dafür bezahlen musste? Den Anfang machten die jungen Schotten von Bleed from Within: jung, ungestüm, aber musikalisch solide und ein gelungener Opener. Mit 2 Alben in Petto bereits mit solchen Grössen auf Tour zu gehen ist sicherlich eine riesige Ehre, was man den Jungs auch angemerkt hat. Sie hatten jede Menge Spass und schlugen den bis dahin versammelten ~50 Nasen 30 Minuten lang eine deftige Mischung aus Metal- und Deathcore um die Ohren. Perfekt zum aufwärmen, bei einem längeren Set wäre es möglicherweise langweilig geworden.
Gleich im Anschluss traten Neaera auf den Plan - der Hauptgrund weshalb ich mich an jenem Abend überhaupt nach Zürich begeben hatte. Wie nicht anders zu erwarten war, lieferten die Münsteraner eine explosive Show, angetrieben von ihrem Frontmann Benni. Dieser betrieb gar 2x Crowdsurfing ohne dabei sein tiefes Gegrunze zu unterbrechen und kletterte später auch gerne mitsamt Mikrofon auf den Tischen herum die eigentlich für den Merchandise gedacht waren. Benni bewies sich einmal mehr als wahrer Wirbelwind der keine Sekunde lang ruhig stehen konnte und auch kaum eine Gelegenheit ausliess, sich beim Publikum für die sehr positive Resonanz zu bedanken. Auch wenn bis dato kaum mehr als 150 Leute anwesend waren, war die Stimmung bereits sehr gut, was sich auch in zahlreichen Crowdsurfern niederschlug - von heftigem Moshing natürlich ganz zu schweigen. Der in meinen Augen mit Abstand beste Auftritt des Abends!

Nach einem kühlen Bier an der Bar wurde es urplötzlich ziemlich schwierig, den Saal wieder zu betreten. Von einer Minute auf die andere war alles gerappelt voll - Soilwork waren da. Diese Band macht es mir nicht leicht, eine objektive Wertung abzugeben; dennoch bleibt es nicht unversucht: die 5 Schweden spielten in rund 45 Minuten ein ausgewogenes Set aus älteren und neuen Titeln, wobei auch mal eher gemächliche Tracks eingestreut wurden. Musikalisch immer auf einem hohen Level, jedoch für das blosse Auge eher langweilig. Es gab kaum Bewegung auf der Bühne und vor allem Frontmann Björn blieb unnahbar und schien in erster Linie bloss Coolness ausstrahlen zu wollen - was ihm bestens gelang (was nicht zwingend positiv ist). Dass diese Truppe musikalisch rein gar nicht mein Fall ist, soll hier aber nicht meinungsbildend sein, sondern nur eine Randnotiz.

Die nächste Band war eine mir bis dato fast unbekannte Gruppierung die auf den Namen All That Remains hört. Anscheinend in Metalcore-Kreisen bereits recht bekannt, hörte ich deren Namen im Rahmen dieser Veranstaltung zum ersten mal. Nachdem ich mir im Vorfeld 1-2 Tracks angehört hatte, war die Band im Hinterkopf bereits als "gay" abgestempelt, was sich im Nachhinein noch als Fehler herausstellen sollte. Das Instrumentenensemble machte den Anfang, bevor Sänger Phil unter Jubel die Bühne betrat und erstmal mit einem langgezogenen tiefen Schrei das Eis brach. Von da an wechselten sich gekonnte Screams mit nicht immer ganz perfektem cleanen Gesang ab und sorgten so für ein recht gelungenes Gesamtbild. Die Stimmung war völlig zurecht am kochen, es wurde lauthals mitgesungen, man sah Circle Pits, Crowdsurfing und sogar eine kleine Wall of Death, zu welcher nicht etwa die Band aufforderte, sondern von der Menge gewollt war, die sich auf einmal in zwei Hälften aufzuteilen begann.
Die Band selbst bot eine ordentliche Show mit viel Bewegung, Seitenwechseln und allem was dazu gehört. Ein wirklich guter Gig von einer Band, die Live viel mehr hermacht als von Konserve.

Caliban
Der kürzeste Text in diesem Review: mag ich ned, find ich schwul (schon mal den Sänger angesehen?), hab ich mir nicht mehr angesehen. Punkt.

Für die Bandauswahl hagelt es subjektive 6/10 Punkten


Fazit
Das Bier und der Eintrittspreis waren recht teuer, zusammen mit dem Zugticket nach Zürich ein recht ordentlicher Betrag. Dazu 5 Bands von welchen ich mit zweien nichts anfangen konnte, während ich zum Rauchen gefühlte tausend Treppen überwinden musste. Immerhin waren die verbliebenen 3 Bands ihr Geld wert und im Grossen und Ganzen haben wir uns alle prächtig amüsiert.

Aufgrund der stolzen Preise, welche einem schon mal nen Strich durch die Rechnung machen können, erntet dieser Konzertabend von mir 17 von 30 möglichen Punkten.



Montag, 13. Dezember 2010
Spieletest "A Vampyre Story"
Beim Namen Bill Tiller sollten bei Adventurekennern eigentlich alle Alarmglocken läuten. Neulinge werden sich jedoch fragen "wer ist das?" - ganz einfach: dieser Mann war damals für die phantastisch gezeichneten Hintergründe in "The Curse of Monkey Island" zuständig und hat sich um die Jahrtausendwende von Lucas Arts getrennt, als jene sich dazu entschieden, fortan nur noch halbgare StarWars-Spiele abzuliefern.
Nach einigen Jahren der Adventureabstinenz entschied sich der gute Herr Tiller dann dazu, ein eigenes Entiwcklerstudio namens "Autumn Moon Entertainment" zu gründen und fortan mit einem neuen Team eigene Adventures zu produzieren. Angesichts der ruhmreichen Vergangenheit könnte man nun schon beinahe in Jubelstürme ausbrechen.. aber hält denn das erste Spiel dieses Studios auch was es verspricht? Ich habe den Sarg geöffnet und mal einen genauen Blick hinein geworfen.


Story
Mona de Lafitte ist eine Pariser Opernsängerin. Oder eher war eine. Denn nun ist sie eine Vampirdame. Wie das geschah wird während des Prologes in Form eines Bilderbuches erzählt. Baron Shrowdy von Kiefer besuchte die Oper in Paris und machte Mona den Hof, blitzte jedoch bei ihr ab - also wandte er seine hypnotischen Fähigkeiten an um sie gefügig zu machen, zu beissen und auf Schloss Warg nach Draxsylvanien zu bringen, wo die grossgewachsene Schönheit nun ihr Dasein Fristet und sich noch immer dagegen wehrt, ein Vampir zu sein. Stattdessen trinkt sie täglich ihren "salzigen Merlot" und ist der Meinung, lediglich verflucht worden zu sein, weshalb sie nicht vom Schloss flüchten kann.

Nachdem Shrowdy jedoch unverhofft dahinscheidet, ist für Mona der Weg frei. Sie will aus dem Schloss flüchten und im Hafen von Gothford Falls ein Schiff chartern welches sie nach Paris bringt. Glücklicherweise ist Mona auf ihrem beschwerlichen Weg nicht alleine, sondern wird von allen möglichen schrägen Wesen dabei unterstützt. In erster Linie ist da die Fledermaus Froderick. Ein vorlauter, oftmals frecher kleiner Kerl, der Mona nie von der Seite weicht und stets auf ihrer Schulter sitzt. Dieser lässt nicht nur immer humorvolle Kommentare vom Stapel, sondern ist in vielen Situationen auch äusserst hilfreich, weil man ihn immer wieder zum Lösen von Rätseln einsetzen kann - meist mit einem urkomischen Resultat.
Neben Froderick gibts da auch noch sprechende eiserne Jungfrauen, verkaterte Raben, Mafiosi-Ratten, verzauberte Gargoyles, usw. All diese schrägen Charaktere sorgen dafür, dass die relativ kurze Vampirstory alles andere als langweilig wird, auch wenn die Rahmenhandlung in erster Linie nicht allzu viel her gibt.

Gameplay
Man kommt nicht drumherum zu bemerken, dass "AVS" seine Wurzeln ganz klar bei "The Curse of Monkey Island" hat, was nicht nur auf den ersten Blick auf die Grafik ersichtlich wird. Auch in der Bedienung erscheinen die Parallelen recht schnell, lenkt man Mona doch fast genau so wie damals Guybrush im grossen Vorbild. Wer ein Objekt ansteuert und 1-2 Sekunden auf der Maustaste verweilt, öffnet damit ein Kontextmenü mit den drei wichtigsten Advantureaktionen (Sprechen, nehmen, ansehen) sowie der Möglichkeit, zu Orten/Objekten hinzufliegen indem sich Mona in eine Fledermaus verwandelt - was immer wieder mal von Nöten sein wird.
Wie es sich für eine Dame gehört, schleppt Mona nicht tonnenweise Zeug mit sich rum, da sie auch keine Zauberhosen trägt wie es bei anderen Genrehelden üblich ist. Gegenstände die ihr zu schwer oder zu sperrig sind, kommen als "Idee" in ihr Inventar, wo sie bei Bedarf abgerufen werden können. In einem solchen Moment fliegt Mona flux zu jenem Gegenstand hin, holt ihn und benutzt ihn an der vorgesehenen Stelle. Auswirkungen auf das Gameplay hat diese ansich nette Idee jedoch keine.
Ebenfalls nicht sonderlich tugendhaft für eine Dame ist das schnelle Gehen, weshalb Mona grundsätzlich darauf verzichtet. Glücklicherweise lässt sich jede Aktion jedoch per Druck auf die Leertaste beschleunigen und bei einem Szenenwechsel ersetzt die rechte Maustaste den ansonsten üblichen Doppelklick. Man hat sich also viel Mühe gegeben, dass ungedulgige Spieler nicht in rasende Wut verfallen oder gar vor dem Monitor einschlafen, da sogar Dialoge auf diese Weise verkürzt werden - was jedoch schade wäre, da die Gespräche wundervoll vertont wurden. Doch dazu später mehr.

In Punkto Rätseldesign meint es das Spiel manchmal ein wenig zu gut indem es sich an alten Lucas Arts Klassikern orientiert. Viele Rätsel sind streng miteinander verkettet und erst gegen Ende erschliesst sich dem Spieler deren Sinn. Ein kleines Beispiel: um an den Schlüssel zu gelangen der in einem Gargoyle steckt, müssen wir ihn dazu bringen, seinen Platz zu verlassen, damit wir ihn mit einer Steinstatue erschlagen können. Dieser verlässt seinen Platz jedoch nur, wenn die Gefahr droht, dass er von Vogelexkrementen getroffen werden könnte, was aber nur geschieht, wenn besagter Vogel seine Verstopfung los wird. Alles klar soweit? Nein? Das macht nichts, denn auf solche verschachtelten Knobeleien trifft man immer wieder im gesamten Spiel. Dabei ist es meist von Nöten, ein wenig um die Ecke denken zu können, oder den kleinen Froderick mit allem möglichem kombinieren zu wollen. Viele Hinweise verstecken sich in den Dialogen, gehen aber ab und an bei all dem Wortwitz auch gerne mal unter oder werden nicht sofort als solche erkannt. In 90% der Fälle weiss man jedoch was als nächstes zu tun ist und braucht bloss herauszufinden, wie man die nächste Hürde überwinden kann.
Mit einzelnen Knobeleien jedoch hat der gute Bill es klar übertrieben, z.B. wenn man Dämonenrotz in verschiedenen Farben erhitzen und mischen muss, bis man das gewünschte Resultat erhält. Gerade jene Passage wird einige Minuten in Anspruch nehmen und der eine oder andere wird auch gerne 2-3 Anläufe benötigen um dieses Rätsel zu lösen. Dies ist in erster Linie schade, da es neben der (fast schon obligatorischen) Hotspotanzeige keinerlei weitere Spielhilfen gibt. Wer also irgendwann wie der Ochs vorm Berg steht, muss entweder Spieleforen aufsuchen oder einen Blick in die Komplettlösung werfen - beides nicht gerade Ruhmreiche Varianten und nur bedingt gute Werbung für ein Adventure.
Ob die Rätsel teilweise zu schwer oder zu abgedreht sind, sei mal dahin gestellt - Fakt ist, dass sich vor allem Anfänger mit Mona und Froderick sehr schwer tun werden, so amüsant dieses Adventure letztendlich auch sein mag.

Sound
Dazu trägt wie so oft eine sehr gelungene Vertonung bei, mit der man hierzulande sogar das englische Original um Längen schlägt. Vor allem Mona und Froderick wurden allerliebst synchronisiert, was v.a. dann auffällt, wenn sich die beiden mal wieder streiten oder ein wenig necken. Mona wirkt mit ihrem französischen Akzent sehr charmant und ein wenig naiv, während die freche kleine Fledermaus mit Comedian Tetje Mierendorf eine perfekte deutsche Stimme erhielt. Auch der restliche Cast kann sich hören lassen, auch wenn sich nur noch wenige bekannte Namen darunter tummeln. In einer Nebenrolle ist übrigens Sandra Schwittau zu hören, den meisten wohl besser bekannt als deutsche Stimme von Bart Simpson.

Wenn die über 80'000 Worte schon so professionell ins deutsche übertragen wurden, wie sieht es dann mit dem Score aus? Die Antwort lautet: bestens! Inspiriert vom Komponisten Danny Elfman hört man hier schaurig-schön-traurige Fantasyklänge wie sie ansonsten in jedem Hollywoodfilm Platz finden könnten, wobei einige Themes sofort an "The Curse of Monkey Island" erinnern - beispielsweise an die Szene in der sich Guybrush in der Familiengruft der Meistersuppes befindet. Auch hier sind die Parallelen also nicht von der Hand zu weisen, wobei man dies keinesfalls als schlecht werten sollte. Selten hat ein Spielesoundtrack so wundervoll zur Stimmung auf dem Monitor gepasst wie hier - ganz grosse Klasse! Einziger Wehrmutstropfen bleibt, dass es 1-2 Sätze im Spiel gibt, die auf einmal englisch gesprochen werden. Entweder ist da etwas verloren gegangen oder es handelt sich um einen Bug, der jedoch im gesamten betrachtet nicht störend ins Gewicht fällt.

Grafik
Comicadventures haben einen riesigen Vorteil gegenüber den "realistischeren": sie sehen selbst nach Jahren noch gut aus. Das trifft auch auf "AVS" zu, dessen Polygongehalt ganz klar unter dem von Spielen wie "Geheimakte Tunguska" steht, welches fast komplett auf 3D oder zumindest sehr detailliert gerenderte Hintergründe setzt. "AVS" hingegen orientiert sich hier eher am grossen Lucas Arts Vorbild und zeigt uns hübsch modellierte 3D Charaktere mit flüssigen Bewegungen vor Hintergründen die wie handgemalt wirken. Wenn Mona bei fahlem Mondlicht inmitten von Gothford Falls steht, welches von Fackeln erleuchtet wird während sanfte Schneeflocken gen Boden taumeln, dann ist das richtig schön und Herr Adventurespieler fühlt sich so richtig wohl und möchte gern stundenlang in dieser Umgebung verweilen. Hinzu kommen viele verspielte Details und ein unverkennbarer Zeichenstil, wie er nur von Bill Tiller stammen kann. Hier trifft der Look von "Monkey 3" auf Tim Burtons "Nightmare before Christmas" und verschmilzt damit zu einem sehr atmosphärischen Gesamtbild, wie es wohl nur von Autumn Moon stammen kann.
Einzig schlechter Punkt bei der Grafikengine: die Auflösung ist auf 1024x768 Bildpunkte beschränkt. Dies sorgt auf Breitbildmonitoren für unschöne Verformungen, einen Patch um dieses Problem zu beheben gibt es bislang nicht. Hier hilft nur die Holzhammermethode und der Spielstart im Fenstermodus.

Pro
- Einfache Bedienung
- unverbrauchtes Vampirsetting
- hervorragender Humor und Wortwitz
- gelungene Vertonung
- wunderschön-abgedrehter Grafikstil
- einige sehr schräge Knobeleien..


Contra
- ..die manchmal einfach zu schwer sind
- ..und sich aufgrund dessen nicht fur Anfänger eignen
- teilweise weit ausufernde Gespräche
- fieser Cliffhanger am Ende in Vorbereitung auf Teil 2

Fazit
"A Vampyre Story" ist wie ein Tim Burton Märchen zum selber spielen. Der einzigartige und leicht morbide Look, der gelungene Wortwitz sowie die tollen Charaktere machen einiges her und werden vom hervorragenden Score bestens abgerundet. Dem gegenüber stehen einige wirklich fiese Rätselketten die man nicht so einfach löst und ein etwas unbefriedigender Cliffhanger am Ende. Grade dann wenn die Geschichte langsam in Fahrt kommt und man sich eigentlich so richtig warm gespielt hat, ist man bereits am Ende angelangt und muss sich gedulden bis 2011 endlich der Nachfolger erscheint. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, erhält mit "AVS" eine sehr gelungene Hommage an Spiele wie "The Curse of Monkey Island" und wird passend zur Weihnachtszeit einige sehr vergnügliche Stunden im verschneiten Draxsylvanien verbringen, während es draussen vor dem Fenster ebenfalls schneit. Und dank dem kleinen Budgetpreis bleibt auch noch genug übrig für weitere Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Zuschlagen und hoffen, dass Bill Tiller auch weiterhin solch schöne Adventures der alten Schule basteln wird!

Grafik: 85%
Sound: 91%
Steuerung: 88%
Rätsel: 80%
Atmosphäre: 90%
Gesamtwertung: 83%