Es sind oftmals alljährlich wiederkehrende Ereignisse auf die man sich besonders freut. Früher waren es Weihnachten, Ostern und Neujahr, heute sind es eben Dinge wie Musikfestivals. Das "Meh Suff Metal-Festival" ist eines davon und ging am 09. und 10. September in die sechste Runde. Völlig logisch, dass auch ich zum bereits dritten Male mit dabei sein musste...
Location
Das Gelände des Meh Suffs befindet sich auf dem "Balmen", oberhalb der zürcher Gemeinde Hüttikon. Mit dem Auto erreicht man den Parkplatz von Baden aus in rund 15 Minuten, kommend von Zürich benötigt man etwa 30. Wer über keinen fahrbaren Untersatz verfügt, fährt mit den ÖV bis nach Otelfingen und wird von dort aus mit dem (relativ kleinen) Shuttlebus abgeholt, der fast den ganzen Tag hin und her fährt.
Beim Parkplatz angekommen, gilt es sein Gepäck zu schultern und die etwa 300 Meter vom Parklatz bis zum Camground durch einen lauschigen Wald zurückzulegen. Dahinter erwartet den Besucher eine Festivalübliche Wiese mit Absperrband und Drahtzaun um zu verhindern, dass sich die Camper an Orten breit machen, wo sie nicht sollten. Hierbei anzumerken wäre, dass der Campingplatz in diesem Jahr dem Besucheransturm fast nicht gewachsen war. Wer erst am Freitag Abend anreiste, hatte fast keine Chance mehr, einen geeigneten Platz zu ergattern.
Eine Anfahrt per Auto bis zum Camping ist des weiteren nicht möglich - wer also zu viel Gepäck dabei hat, muss sich entweder etwas einfallen lassen, oder den Weg mehrmals zurücklegen.
Positiv: selbst wer (noch) kein Ticket besitzt, kann sich bereits mit seinem Zelt breit machen. Einzig eine Platzgebühr von CHF 5.- wird erhoben, sowie eine Abfalltasche im Gegenwert von CHF 5.- ausgehändigt. Wer diese, mit Müll gefüllt, am Sonntag zurückbringt, erhält die Kohle zurück. Wer keinen Müll produziert oder mit seiner Gruppe nicht alle Taschen braucht, guckt in die Röhre. Ein grundsätzlich tolles System gegen die Verschmutzung des Areals - allerdings nicht komplett durchdacht.
Kommen wir zum schlechtesten Aspekt des ganzen Festivals: der Einlass zum eigentlichen Gelände. Wie jedes Jahr bestand der Ein-/Ausgang aus einem Biertisch samt Kassierer der gleichzeitig die Tickets kontrollierte, jemandem der das Festivalbändchen um das Handgelenk des Besuchers schlang und einer dritten Person, welche die Aluschlaufe am Bändchen befestigte - abgesichert durch 2-3 Securitas. Da es nur eine Kasse gab und somit nur eine Person auf einmal bedient werden konnte, bildeten sich sehr schnell Schlangen mit einer Wartezeit von bis zu 30 Minuten. Aber da es, wie bereits erwähnt, letztes Jahr nicht anders war, sollte hier mal ein klares Wort gesprochen werden. So geht das einfach nicht, liebe Organisatoren. Das ist einfach nur abgrundtief schlecht. Ein Festival welches grade mal ~700 Besucher zu bewältigen hat, sollte wenigstens im Stande sein, dies viel schneller zu tun. Sehr schwach.
Ansonsten verfügt das "Meh Suff" über alles was der geneigte Festivalgänger so benötigt. Überduchschnittlich saubere Dixie-Klos, ein Duschwagen, (relativ wenige) Merchandise-Stände, ein mittelgrosses Bierzelt, ein Met-Stand und diverse Verpflegungsmöglichkeiten. Das ist auch dringend nötig, da es kaum möglich ist, sich mit einem kurzen Fussmarsch in einem nahe gelegenen Supermarkt mit Lebensmitteln o.ä. einzudecken - so was ist nämlich schlichtweg nicht vorhanden. Umso begrüssenswerter war die Tatsache, dass man jeweils am Morgen ein Frühstück mit Kaffee, Säften und Brötchen im Angebot hatte.
Festivalbetrieb
Über die Laune eines Besuchers entscheidet auch immer der reibungslose Verlauf des Festbetriebes - und hier hat sich das "Meh Suff" dieses Jahr so einige Punkte dazuverdient, mal abgesehen vom bereits erwähnten problem an der Kasse.
Der Zeitplan der Bands wurde mit einer Verspätung von maximal 10 Minuten immer eingehalten, es gab nie Soundprobleme und auch keine Engpässe bei Getränken oder Esswaren. Im Gegenteil: damit nicht alle immer an der selben Bar ihr Bier beziehen mussten, hat man extra in der Nähe der Bühne einen Wagen eingerichtet, bei welchem es nur abgezapften Gerstensaft gab - schliesslich das meistverkaufte Getränk des gesamten Wochenendes. Auch wenn die Besucherzahlen weit unter denen jeglicher anderer Festivals liegen, so ist diese Neuerung dennoch sehr begrüssenswert, da man kaum mehr als 5 Minuten auf seinen Becher warten musste.
Sauberkeit und Hygiene
Die Abfallpolitik mit den ausgehändigten -taschen mag nicht komplett durchdacht worden sein, hat aber enorm zur Sauberkeit des Festivals beigetragen. Weder auf dem Campground noch vor der Bühne stiess man auf Berge von Müll, u.a. auch deshalb, weil die meisten ihre Becher an die Bar zurückbrachten um ihr Pfand zu kassieren.
Sehr positiv auch, dass man hier - wie bereits schon im letzten Jahr - auf die saubersten Dixie-Klos stösst, die mir jemals untergekommen sind. Immer genügend Klopapier vorhanden, keine Exkremente innerhalb der Kabinen verteilt, dank integrierter Spülung überdurchschnittlich sauber und jeden Tag 1x entleert. Hiervon könnte sich manch anderes Festival (oder deren Besucher) eine dicke Scheibe abschneiden.
Lärmbelästigung
In diesem Punkt trifft man auf eine hübsche Kontroverse der Betreiber. In ihrem Festival-ABC schreiben sie klar und deutlich, dass sich die Besucher mehrheitlich ruhig verhalten sollen, auch auf dem Parkplatz, vor allem nachts. Und was macht der Veranstalter? Er befeuert die Soundanlage im Bierzelt bis 6 Uhr morgens mit relativ lautem Metal jeglicher Art. Glücklich ist, wer im Auto auf dem Parkplatz nächtigte - denn an Schlaf ist bei so was kaum zu denken.
Bands und Stimmung
Der wichtigste Aspekt eines Festivals: was taugt das Line-Up und wie sehr gehen die Fans dabei mit?
Erneut traf sich auf dem Hüttikerberg ein buntes Sammelsurium aus Death-, Black- und Folk-Metal Bands, womit eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Dieses Jahr las sich das Billing wie folgt:
Freitag, 09.09.2011
15:00 - 15:30 Big Ball (30min)
16:00 - 16:45 Excruciation (45min)
17:15 - 18:00 Tribes Of Cain (45min)
18:30 - 19:15 Requiem (45min)
19:45 - 20:30 Nargaroth (45min)
21:00 - 22:00 Marduk (60min)
22:30 - 23:30 Vital Remains (60min)
00:00 - 01:00 Eluveitie (60min)
01:30 - 02:15 Oral Fistfuck (45min)
Samstag, 10.09.2011
12:30 - 13:00 Soulless (30min)
13:30 - 14:15 Obscurity (45min)
14:45 - 15:30 Leng Tch'e (45min)
16:00 - 16:45 Setherial (45min)
17:15 - 18:00 Fleshless (45min)
18:30 - 19:15 Desaster (45min)
19:45 - 20:30 Manegarm (45min)
21:00 - 21:45 Vomitory (45min)
22:15 - 23:15 Legion Of The Damned (60min)
23:45 - 00:45 Gorgoroth (60min)
01:15 - 02:00 Hyperium (45min)
Sehr positiv anzumerken ist, dass alle Bands so klangen wie sie sollten - egal ob sie ihren eigenen Mischer dabei hatten oder nicht. Selbst komplex zu mixende bands wie "Eluveitie" mit ihren zig Instrumenten konnten überzeugen und somit blieb der eine oder andere Fauxpas vom letzten Jahr glücklicherweise aus.
Letzendlich ist die Qualität des Line-Ups vom eigenen Geschmack abhängig, aber die Veranstalter haben es geschafft, einen Spagat diverser Stile hinzulegen, mit dem alle irgendwie befriedigt wurden. Selbst wer kein Fan von Black-Metal ist, konnte sich problemlos in aller Ruhe auch die Vertreter jenes Genres anhören.
Für mich persönlich stach allen voran "Manegarm" aus dem Billing heraus. Die 5 Schweden boten eine solide und abwechslungsreiche Performance und sorgten für eine sehr lockere sowie gute Stimmung beim versammelten Publikum. Qualitativ zu überzeugen vermochte hingegen fast jede Band. Kaum Fehler, gute Setlisten, Kontakt zum Publikum und viel Sympathie. Hier zeigt sich einmal mehr, dass ein kleines, familiäres Festival durchaus seine Vorteile gegenüber den grossen Vertretern geniesst.
Ob man für die gebotenen Bands aber die verlangten CHF 89.- entrichten wollte, bleibt jedem selbst überlassen. Zusammen mit den 10.- für Camping und Abfalltasche sowie dem Konsum von Getränken, Lebensmitteln, usw. war es bei weitem kein günstiges Wochenende - aber ein umso witzigeres.
Fazit
Auch meine dritte Anreise zum "Meh Suff" kann als erfolgreich bezeichnet werden. Trotz meiner arbeitsbedingten späten Ankunft am Freitag Nachmittag kam ich in den Genuss der meisten Bands die mich interessierten, konnte mich zur Genüge mit meinen Begleitern unterhalten sowie einiges an "Flüssignahrung" konsumieren und dank Übernachtung im Auto war ich sogar das ganze Wochenende lang einigermassen fit und brauchbar.
Letztendlich bleiben mit dem eher happigen Eintrittspreis von 89.- sowie der langen Schlange vor der Kasse nur 2 Kritikpunkte am ganzen Festival - abgesehen davon war es auch dieses Jahr ein Genuss, der sich 2012 hoffentlich wiederholen wird.
Bei manchen Filmen ist man froh, sie nur aus der Videothek ausgeliehen zu haben. Und manchmal kommt es sogar vor, dass man selbst diese Tat schändlich bereut. In meinem Fall so geschehen bei "Der Adler der neunten Legion", einem weiteren Sandalenfilm der kläglich daran scheitert, eine ähnliche Epik wie ein "Gladiator" aufzubauen. Doch eines nach dem andern...
Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=FHEru8EoSKk
Der Film erzählt die Geschichte von Centurio Marcus Aquila (ein etwas unglücklich besetzter Teenieschwarm Channing Tatum), der sich in das von Römern besetzte Britannien versetzen lässt, um die Ehre seiner Familie wiederherzustellen. Einst war es sein Vater der die berüchtigte 9. Legion befehligte und unter seinem Kommando den berühmten goldenen Adler an Feindeshand verlor. Nun hat Marcus nur ein Ziel: den Adler zu finden und zurück nach Rom zu bringen. Helfen soll ihm dabei sein neuer Sklave dem er das Leben geschenkt hatte - und ausgerechnet Brite ist.
Man mag es sich bereits denken, viel gibt die Story definitiv nicht her. Grundsätzlich ahnt man von Anfang an wie das Ganze enden wird, schliesslich kann man einen solchen Helden unschwer sterben lassen. Dafür ist seine Figur letztendlich nicht tragisch oder gar heroisch genug und auf keinen Fall mit dem grossen Vorbild von Russel Crowe alias Maximus Decimus Meridius vergleichbar.
Allerdings scheitert der Film nicht bloss an seiner vergleichsweise langweiligen Geschichte, sondern auch an seiner Inszenierung. Regisseur Kevin MacDonald vermag es kaum, Spannugn aufzubauen, nichtmal wenn das Legionslager mitten in der Nacht aus dem Hinterhalt angegriffen wird oder die beiden Hauptprotagonisten in die Gefangenschaft des Feindes geraten. Zum Grossteil dümpelt der Streifen einfach vor sich hin, hangelt sich von einem Gefecht zum nächsten, versucht dazwischen so etwas wie eine Beziehung von Herr und Sklave zu verdeutlichen um letztendlich in einem kaum erwähnenswerten Finale zu gipfeln.
Bild
"Der Adler der neunten Legion" ist beileibe kein visueller Reinfall, aber dennoch nicht mit anderen Sandalenfilmen vergleichbar. "Centurion", "King Arthur", "Troja", "Clash of the Titans" und selbst der 10 Jahre alte "Gladiator" - sie alle sehen mehr als einen Tick besser aus und präsentieren einiges mehr an Details. So begnügt man sich beim "Adler" mit einem mehrheitlich dreckigen Look dem man zumindest einen anständigen Schärfegrad zu Gute halten kann und dessen Plastizität meist zu überzeugen weiss.
Sound
Hier stellt man sich unweigerlich die Frage, weshalb das Bild nicht auf dem selben Level liegt wie dieser äusserst gelungene Soundmix. Negativ anzumerken ist ein nicht ganz perfektes Balancing dank welchem Dialogfetzen im Kampfgetümmel gerne man verschwinden, während man sich ansonsten an sehr satten Tiefenbässen, erstaunlich guten direktionalen Effekten und einem äusserst voluminösen Score erfreuen darf. Hätte man mehr Zeit in das Balancing investiert, wäre dies eine verdiente Topwertung.
Fazit
"Der Adler der neunten Legion" versucht auf den selben Zug aufzuspringen wie schon "King Arthur" oder "Centurion", die mehr oder weniger erfolgreich auf der "Gladiator"-Schiene mitfuhren. Dies wird dem güldenen Adler aber kaum gelingen, da er über keinerlei Zugpferde verfügt. Channing Tatum nimmt man den harten Centurio nicht ab und wird zudem von Jamie Bell an die Wand gespielt, die Action ist nicht brachial genug und Spannung kommt auch nie auf. Leider kann da auch Altmeister Donald Sutherland in einer Nebenrolle nichts mehr rausreissen und wird zum schnöden Beiwerk.
Als grosser Fan von Sandalenfilmen ist "Der Adler der neunten Legion" vielleicht aus Langeweile einen Blick wert, der sonstige Filmfreund ist mit anderen Genrevertretern jedoch weitaus besser bedient.
-> 4.5/10 Blu-Ray Punkten
Am letzten Freitag, den 19.08.2011 war es soweit: meine Band "Sozi Brain" gab nach ihrer 6-jährigen Schaffenszeit ihr Abschiedskonzert. Es waren 6 Jahre mit unzähligen Konzerten, Studioaufnahmen, Tourneen bis nach Dänemark und nicht zuletzt eine Zeit in der 4 Menschen sich zeitweise ziemlich nah kamen. Es war eine Ära, eine Ära die nun ihr Ende gefunden hat. Grund genug für mich, die komplette Historie inkl. Abschiedskonzert nochmals aufzurollen...
Es war im Spätsommer 2004 als sich alles in Gang zu setzen begonnen hat. Sam (Gesang, Gitarre) und ich (Schlagzeug) kannten uns bereits einige Jahre lang, dank dem Besuch der selben Schulklasse. Schon früh kam die Idee von uns, dass wir unser musikalisches Geschick einmal vermischen und eine Band auf die Beine stellen sollten. Sam hatte bereits erste Songs geschrieben ["Das Baby namens Menschheit" stammt z.B. aus dieser Ära - ein echter Oldie!] und meine Wenigkeit versuchte, diese am Billig-E-Drum zu begleiten. Da man damit aber kaum vorwärts kam, lag das Projekt bis zum erwähnten Zeitpunkt aber erstmal auf Eis.. bis wir gemeinsam als Besucher zum "Soundflecke Open Air" in Zurzach pilgerten. Es war ein friedliches kleines Festival und die Band "Skaramouche" brachte die Leute gekonnt zum tanzen, als urplötzlich Sam auf mich zugerannt kam und mir die Worte "Ey, ich hab 'nen Gitarristen gefunden!" in mein linkes Ohr schrie. Kurzum wurde ich quer durchs Publikum gezerrt und stand plötzlich vor einem jungen Mann in unserem Alter. Nackenlanges braunes Haar, Brille auf der Nase und grade sehr mit Tanzen beschäftigt, stellte er sich mir als Marius vor. Zu jenem Zeitpunkt bedarf es nicht der vielen Worte, es war ziemlich schnell klar, dass dieser humorvolle Geselle fortan zu unserer Truppe gehören wird. So schnell kann's gehen...
Nur wenige Wochen/Monate später befand sich Marius auf einer Geburtstagsparty, auf die er sich im Grunde selbst eingeladen hatte. Nachdem er irgendwann gelangweilt in der Küche landete, sass dort ein weiterer Herr, der genau auf die selbe Weise an jenen Ort gelangte. Man stellte sich einander vor, trank ordentlich Bier zusammen und keiner von beiden wusste am nächsten Tag mehr, wer der andere eigentlich war. Und dennoch brachte man es irgendwie auf die Reihe, dass der selbe junge Punker ein paar Wochen später in unserem Proberaum stand, an seinem Bass rumzupfte und sich einfach nur als PJ vorstellte. Sozi Brain war geboren.
Da wir nicht auf Dauer meinen Eltern von deren Keller aus auf die Nüsse gehen konnten, mussten wir uns einen Proberaum suchen. Fündig wurden wir in Ennetbaden in einem kleinen, beinahe abbruchreifen Haus. Bereits mehrere Bands waren dort einquartiert, weshalb wir uns dachten, so schlimm kann es nicht sein. Zudem ging der Preis absolut in Ordnung.
Allerdings zahlten wir nicht nur für die paar wenigen uns zur Verfügung stehenden Quadratmeter, sondern auch für Löcher in den Wänden, Mäuse im Proberaum, kaum auszuhaltende Kälte ohne Heizung, ein Fenster welches sich nicht wirklich schliessen liess und eine immer anhaltende Feuchtigkeit, die mit unzähligen Pizzaschachteln und alten Teppichen in Schach zu halten versucht wurde. Und als der Mülleimer langsam voll und kein Platz mehr für leere Bierdosen mehr war, wurden die spontan in die an der Decke aufgehängten Leinentücher geworfen - so schult man selbst im Proberaum seine Basketballkünste! Nicht umsonst wollten wir unser zweites Album "neues aus dem Kellerloch" taufen...
In den folgenden Jahren tüftelten wir fleissig an Songs, gaben Konzerte, probten unsere Songs da wir merkten dass unsere Auftritte beschissen klangen, gaben erneut Konzerte, nahmen unsere tatsächlich geübten Songs auf Platte auf, versuchten diese zu verkaufen, und und und.
Die Highlights dieser ganzen Geschichte sind nicht zahlreich, aber umso prägender für unser ganzes musikalisches Dasein:
- Das erste Konzert inkl. Live-Mitschnitt am 10.09.2005 im Jugendzentrum Siggenthal, mit rund 40 Anwesenden
- Ein Gig auf der Ladefläche eines Pick-Up Truck durch die Lenzburger Altstadt.. während das Ding fuhr!
- Die zweite Platzierung am KiFF-Bandcontest
- Die erste Albumtaufe mit "Normahl" an Weihnachten 2007 vor ca. 470 Leuten im KiFF in Aarau
- Die erste Tournee 2009 nach Deutschland und Dänemark
- Plattentaufe Nr. 2 im Januar 2010 im KiFF
- Die zweite Tournee inkl. Auftritt in der Bundeshauptstadt im Jahr 2010
- Das Abschiedskonzert im Barracuda in Aarau vor ~30 unserer treuesten Anhänger, inkl. Sound- und Videomitschnitt (folgt noch)
Was uns dabei vor allem in Erinnerung bleibt, sind spezielle Momente die wohl die wenigsten in solcher oder ähnlicher Form jemals erleben durften. Das Gefühl vor fast 500 Leuten im KiFF zu stehen war schon der Wahnsinn, aber es ging sogar noch besser: beim Auftritt in Dänemark hatten wir keine Ahnung was uns erwarten würde. Wir wussten, dass wir in einer Art Jugendzentrum spielen, aber der genaue Rahmen war uns unbekannt. Dort angekommen sagte man uns, wo wir unser Equipment aufstellen sollen und wo wir nächtigen werden. Das Ganze hat sich spätestens dann komisch angefühlt, als ich mein Schlagzeug vor den neugierigen Augen jugendlicher, dänischer Cafébesucher aufgebaut hatte. Als wir dann gegen 9 Uhr alle auf der kleinen Bühne standen (in Dänemark ist es um diese Zeit noch hell wie am Tag), sassen vor uns einige Besucher auf Stühlen und in Sesseln, nippten an ihrem Getränk und hörten uns mal mehr und mal weniger aufmerksam zu. Wahrscheinlich lag das in erster Linie daran, dass all unsere Texte in deutsch verfasst sind und die Dänen natürlich bloss dem dänischen oder englischen mächtig sind. Somit ernteten wir in erster Linie ausdruckslose oder verwirrte Gesichter, gepaart mit verhaltenem Applaus nach den Songs. Noch nie kam es vor, dass wir auf der Bühne uns so viel mehr bewegten als das Publikum. Aber hey, in Dänemark ist alles möglich.
Es war jedenfalls hochgradig amüsant und nicht zuletzt deswegen einer der Auftritte, die uns für immer im Gedächtnis bleiben werden. Als kleine schweizer Punkrockband in Dänemark spielen war einfach der Wahnsinn!
Zudem waren unsere Tourneen immer gespickt mit kleineren Malheuren... wer kann schon ahnen, dass eine Baustelle auf der deutschen Autobahn die Spur plötzlich so abzweigt, dass man komplett wo anders hin fährt? Marius und ich tuckerten danach quer durch die Pampa, vorbei an lauschigen Dörfchen und Kleinstädten in Richtung Ziel, während Sam und PJ keine Ahnung hatten wo wir uns befinden. Hätte sich unser 'Tourbus' nicht zwischenzeitlich mal geweigert anzuspringen, ansprechend zu bremsen oder nicht plötzlich mitten auf einer passähnlichen Strasse den Motor abzuwürgen, so wären solche Zwischenfälle aber vielleicht sogar vertretbar gewesen.
Nicht aber, wenn man von der Grenzwache komplett kontrolliert und auseinander genommen wird, bloss weil man bei Überschreiten der Grenze stolz angibt, dass man "Punkrock" spielt.. Oder wie wärs wenn man an Orte fährt, an denen man spielen wollte, dann aber feststellt dass man sich dort höchstwahrscheinlich jede erdenkliche Krankheit einsammeln würde? Plus solche die noch gar nicht entdeckt wurden!?
Es gab viele lustige, absurde, peinliche oder nervtötende Situationen und es ist absolut unmöglich, sie alle aufzuzählen.
Am besten sieht man sich dazu einfach mal die Ansammlung von Videos an, die sich von und über uns auf Youtube finden ->
http://www.youtube.com/results?search_query=sozi+brain&aq=0
All das gipfelte letztendlich aber im anfangs erwähnten letzten Konzert im Barracuda in Aarau.
Den Organisator dieser "Last Friday" Sessions kennen wir bereits seit unserem Podestplatz beim Bandcontest und er hatte sich seit jeher den ein oder anderen Auftritt von uns angesehen und uns stets viel Potential zugesprochen. Ihm war es dann auch zu verdanken, dass wir in seiner kleinen lauschigen Bar inkl. Kellergewölbe "Lebe wohl" sagen durften, bei einem Konzert zu dem jeder kommen konnte ohne Eintritt zu bezahlen.
Bereits am Vorabend sammelten wir uns in unserem (zwischenzeitlich nach Gretzenbach neben einen Buddhisten-Tempel verlegten) Proberaum, luden die Instrumente in unseren uralten VW Sharan und tuckerten nach Aarau.
Als wir das Lokal erstmals in Augenschein nahmen, war der erste Gedanke "jo.. cool.. das wird, öhm, eng". Das Kellergewölbe war lediglich geschätzte 25-30 qm gross mit einer etwas niederen Decke, ohne eigentliche Bühne. Heisst, wir waren auf Augenhöbe mit dem Publikum.. zumindest abgesehen von mir. Da ich als Schlagzeuger im sitzen spiele, konnten mal wieder alle auf mich herabsehen. Es war sehr herablassend.
Am Freitag hatte sich jedoch bereits gegen 20:30 Uhr jede menge Volk versammelt, welches sich unser letztes Konzert ansehen wollte. Uns stellte sich natürlich die Frage, wie die alle Platz finden sollten.. Die Antwort war simpel: durch quetschen. Als wir um 22:00 zur "Bühne" spazierten und uns die Meute auf dem Fusse folgte, füllte sich der Keller mehr und mehr und irgendwie hatte man bloss noch eine Wand aus Menschen vor sich.
Bereits als wir unser Set mit der Akkustikversion des "Baby namens Menschheit" eröffneten, wurde lautstark mitgesungen und so ging es beinahe während dem ganzen Konzert weiter - wäre da nicht der Unterbruch durch PJ gewesen, dessen Batterie im Bass plötzlich keinen Saft mehr spenden wollte... Das Publikum strömte nach draussen um zu rauchen oder sonst was zu tun und kam erst nach langem Zurufen und Zerren wieder hinein. Wahrscheinlich wollten sie einfach nicht mehr und fühlten sich genötigt - das wär zumindest mein erster Verdacht. Und womöglich stand draussen jemand mit einer Shotgun und hat sie gewaltsam wieder die Treppe runter gepfercht. Aber das sind alles nur vage Vermutungen!
Jedenfalls ging es ein paar Minuten später weiter mit unserem Programm aus strengstens ausgewählten Songs, von denen ca. die Hälfte eigentlich gar nicht zu den Publikumslieblingen gehört hatte, und wir näherten uns langsam aber sicher dem Ende und somit dem allerletzten Live-Song von "Sozi Brain". Noch einmal verlangte man Zugaben, wollte uns nicht gehen lassen, wollte noch mehr Schweiss und Biergeruch in diesem viel zu kleinen Keller verteilen - doch wir blieben standhaft. Mit einem letzten "Nicht mein Gott" ohne PJ, dessen Bass mittlerweile definitiv nicht mehr wollte, verabschiedeten wir uns lautstark und wünschten allen eine gute Nacht, auf wiedersehen und was so alles dazu gehört.
Letztendlich verhökerten wir selbst unsere CDs und Shirts zu spottpreisen und wurden kaum welche los, was absolut für den Erfolg unserer Band spricht...
Woran scheiterte es aber letztendlich? An vielen Faktoren. Zum einen sicherlich daran, dass wir immer erst Konzerte gespielt und dann mit den bereits bekannten Songs ins Studio gegangen sind. Wer kauft schon eine Platte, die er bereits in- und auswendig kennt? Zum anderen eine Werbestrategie die nicht aggressiv genug war, was allerdings mit den unterschiedlichen Ansichten innerhalb der Band zu tun hatte. Der eine wollte Facebook, Myspace usw. wie verrückt pushen, ein anderer sträubte sich dagegen weil es zu aufdringlich wirken könnte und man dadurch die treuen, alteingesessenen Fans verliert, andere wollten einfach nicht so viel Zeit und Mühe in die Band investieren wie es andere taten.
Der Hauptgrund war aber der Stillstand. Wir waren an einem Punkt angelangt, bei dem bis auf eine Person kaum noch jemand die Musse hatte, neue Songs zu schreiben und etwas in das Projekt zu investieren. Nichts ging mehr voran, wir kauten seit Wochen auf den selben Riffs rum und es war kein Ende mehr in Sicht. Es ist schade, aber eine logische Konsequenz all dessen was sich in den letzten 1-2 Jahren bei uns allen entwickelt hat. Geschmäcker haben sich verändert, Familien- und Jobsituationen haben sich geändert und nicht zuletzt wurden wir alle entschieden älter.
Es war eine schöne Zeit, eine unvergessliche Zeit und auch eine lehrreiche Zeit. Wir alle konnten vieles mitnehmen aus dieser Phase und hoffen, dass wir uns alle eines Tages wieder sehen - am liebsten im Publikum während einer von uns auf der Bühne steht und dem nachgeht was er am liebsten tut: musizieren. Ich für meinen Teil wechsle in den Death Metal und benötige dazu bloss noch einen zweiten Gitarristen und einen fähigen Sänger.
Wer bis dahin nochmals in Erinnerungen an die Brains schwelgen möchte, der folgt einfach diesen Links und wartet auf die Veröffentlichung der letzten Live-Mitschnitte:
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http://www.youtube.com/results?search_query=sozi+brain&aq=f
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http://www.sozibrain.ch
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http://www.myspace.com/sozibrain